Egressive vs. Ingressive Verben

Hallo und willkommen zu meiner ersten Theoriestunde. Schon in meiner Überschrift habe ich mit zwei Fachtermini um mich geworfen, die einiger Klärung bedürfen. Bevor ich aber in medias res gehe, will ich gleich sagen, dass die, eigentlich für Schriftsteller wichtigen, semantischen Anteile dieser Theorie recht umstritten sind. Dennoch glaube ich, dass diese Theorie recht interessant für euch sein kann.

Also was sind egressive und was ingressive Verben? Egressive Verben sind Handlungswörter, die den Endzeitpunkt von etwas bezeichnen. Beispiele hierfür sind Wörter wie „verblühen“, „aufessen“ oder „ermorden“.
Ingressive Verben sind ( na wer hätte es erwartet?) wiederum Handlungswörter, die den Beginn oder Startzeitpunkt von einer Handlung markieren. Beispiele für ingressive Verben sind „erblühen“, „verlieben“ oder „beginnen“.
Bis hierhin ist alles unstrittig, auch wenn wir im Deutschen das „Problem“ haben, dass ingressive und egressive Verben nicht durch bestimmte Prä- oder Suffixe, wie beispielsweise im Russischen oder Griechischen, gekennzeichnet werden. Viele Egressive werden mit „ver-“, und viele Ingressive mit „er-“, gebildet. Dass es dafür Ausnahmen gibt, habe ich oben schon gezeigt. Wie schwammig das Ganze im Deutschen daher ist, kann man an Verben wie „weggehen“ zeigen. Ob „weggehen“ das Ende einer Handlung zeigt (Ich gehe vom Bahnhof weg.) oder den Beginn einer Handlung/Szene ( Ich gehe vom Bahnhof weg, um zu dir zu kommen.) markiert, kann man im Deutschen nur am Kontext sehen. Es gibt in der deutschen Sprache natürlich noch andere Aktionstermini, die sind aber, meiner Meinung nach, für uns erst einmal nicht relevant.

Warum Egressive und Ingressive für uns relevant sind ( haha, geschickte Überleitung), zeige ich jetzt. Es gibt Sprachtheorien, die egressiven Verben einen eher negativen, und Ingressiven einen eher postiven Charakter zusprechen. So kann man beispielsweise auch in eine inhaltlich „schöne“ Szene, eine negative Grundstimmung, Bedrohung legen, indem man sie mit eggressiven Verben spickt. Das Selbe funktioniert natürlich auch andersrum.
Natürlich kommt es immer auf den Kontext an und manch einer von euch, übrigens auch viele Sprachwissenschaftler, lehnen es ab einem Verb an sich einen negativen oder positiven Charakter zu verleihen. Aber ich denke auch, dass man durch den gezielten Einsatz solcher Verben gute oder schlechte Grundstimmungen in einer Geschichte verstärken kann, oder schöne ironische und widersprüchliche Gefühle bei dem Leser auslösen kann.

Probiert es doch einmal in unserer Schreibübung aus: Gegensätzliche Gefühle

 

-Cheshirepunk-

2 Kommentare zu “Egressive vs. Ingressive Verben

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