Knut Hamsun: Hunger

Ich nehme in diesem Semester an einem Seminar teil, das sich „Geschichte(n) des Hungers in Skandinavien“ nennt. So leicht ist also erklärt, warum ich das Buch gelesen habe.

Knut Hamsun ist ein norwegischer Schriftsteller. In seinen Roman Hunger flechtet er eigene Erfahrungen aus seinem Leben aus Kristiania im Jahr 1886 ein.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben und spielt in Kristiania, dem heutigen Oslo. Den Namen des Protagonisten erfährt der Leser nicht. Der Roman beginnt mit den Worten „Es war in jener Zeit, als ich in Kristiania umherging und hungerte, in dieser seltsamen Stadt, die keiner verläßt, ehe er von ihr gezeichnet worden ist…“ und das Thema „Hunger“ zieht sich, wie im Titel angekündigt, durch den ganzen Roman. Beim Lesen erfährt man fast schon am eigenen Leibe, wie es sein muss Hunger zu haben. Der Protagonist versucht seine geschriebenen Artikel bei Zeitungen zu Geld zu machen, doch gelingen tut ihm das nur selten. Der Hunger nimmt ihn mehr und mehr aus und das beginnt er auch bald am eigenen Körper zu spüren. Zudem lässt ihn der Hunger immer weiter in Wahnvorstellungen verfallen. Man bekommt immer mehr den Eindruck, dass der Hunger ihn wirklich verrückt werden lässt. Und in seinem Wahn belustigt er sich über verschiedene Leute, die seinen Weg kreuzen.

Wegen dem Seminar habe ich natürlich Hauptsächlich auf den Aspekt des Hungers und seiner Folgen geachtet. Aber da ich mich ja mittlerweile auch als Schriftstellerin sehe, habe ich den Roman auch auf diesen Schwerpunkt hin gelesen.

Hunger

Der Protagonist ist Schriftsteller, in einer Zeit, in der Texte noch zwangsläufig mit Papier und Stift geschrieben wurde. Der Roman beschreibt nur die Hungerphasen des Protagonisten. Am Ende des ersten Teils ist ein Cut. Er war einem alten Freund begegnet, als er vom Pfandleiher kam. Scheinbar hatte ihm dieser Freund geholfen. Der Roman setzt dann eine Weile später wieder ein, als der Protagonist kein Geld mehr hat. Am Anfang besitzt er noch Dinge, die er zum Pfandleiher bringen kann, doch irgendwann hat er nichts mehr.

Mir ist auch aufgefallen, dass der Protagonist zwar um alles auf der Welt schreiben will, aber die Prokrastination auch sehr gut beherrscht. Häufig berichtet er, was für ein großartiges Werk, was für einen tollen Artikel er doch schreibt. Doch im Endeffekt läuft er ziemlich viel durch die Gegend, belustigt sich über verschiedene Leute und kommt sehr wenig zum Schreiben. Wenn er mal Geld hat, so berichtet er selbst, dann vergeudet er es. Nach tagelangem Hunger kauft er sich schon fast ein Festmahl, doch lange bei sich behalten kann er es nicht, weil sein Magen das nicht mehr verträgt. Und wenn er kein Geld hat, dann versucht er immer noch auf die Muse zu warten. Mal ist ihm der eine Ort zu laut oder er findet einfach nicht die richtigen Worte.

Halluzinationen

Interessant sind auch die Beschreibungen des Wahnsinns, in den er verfällt. Nachdem ich den Roman zu Ende gelesen hatte, habe ich mich gefragt, was wirklich passiert ist und wahr sein kann, oder wie viel er sich nur zusammen gesponnen hat. Er beschreibt selbst, dass er das Gefühl hat wahnsinnig zu werden. Ein Umstand, den man auch dem Wahnsinn zuschreiben kann ist der, dass sich nicht viele Freunde macht, viele Menschen legt er rein, indem er sich ihnen unter anderen Namen vorstellt oder Geschichten von sich erzählt, die nicht stimmen und im Nachhinein macht er sich darüber lustig, dass ihm die Leute geglaubt hatten. Eine Liebelei, die zwischen ihm und einem Mädchen aus besserem Haus angebahnt hat, endet aufgrund seiner Armut. Und später redet er sich ein, dass das Mädchen ungeheuer in ihn verliebt gewesen sein muss, obwohl er sie inzwischen mit einem anderen Mann gesehen hat.

Kreativität

Das sind Dinge, die mich auch beim Lesen nachdenklich gemacht haben. Mein Traum ist es, vom Schreiben leben zu können. Aber ich frage mich, wie wahrscheinlich andere auch, ob das möglich ist. Sicherlich lebe ich in einer anderen Zeit. Doch wer kann mir versprechen, dass ich erfolgreich werde und nicht Hungern muss? Wer kann mir garantieren, dass ich mich nicht auf meinen Lorbeeren ausruhe und prokrastiniere (was ich ja jetzt schon wunderbar beherrsche) und erst wieder schreibe wenn es mal knapp wird mit dem Geld?

Andererseits, vielleicht schafft der Hunger wirklich einen Zustand, in dem man die Kreativität voll ausschöpfen kann. Es gibt Meditationstechniken, die das Bewusstsein in eine andere Sphäre befördern, die einem ein klares Denken verschaffen können. Von Schamanen, die in Trance ihre Körper verlassen will ich gar nicht erst reden. Ebenso kann auch das Fasten genutzt werden, um in Bewusstseinszustände zu gelangen.. Ist Hungern vielleicht ein Weg zum Erfolg? Immerhin ist Hamsun ja ein bekannter Schrifsteller ;)

Mich interessiert wirklich sehr, was ihr zu diesen Themen denkt. Schaut doch einfach mal in unserer Diskussionsecke vorbei.
Viel Spaß beim Diskutieren, eure Tinka Beere 🙂

2 Kommentare zu “Knut Hamsun: Hunger

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