Rezension Berlin Classified – Fred Breinersdorfer

Ja, liebe Freunde, heute stelle ich ein sehr außergewöhnliches, mehrteiles Werk vor. Es handelt sich um Berlin Classified, einem deutschen Politthriller, von Fred Breinersdorfer. BC ist bisher nur digital erschienen und ist in sechs Bände mit jeweils circa hundert Wörtern aufgeteilt. Ich hatte alle sechs Bände bei vorablesen.de gewonnen und kam dadurch dazu es zu lesen.

Zur Handlung: Eine junge, freischaffende Filmjournalistin namens Kimh Bartholdy will sich nach dem früheren Fehlschlag eines ihrer Filme wieder mit einer neuen Doku über den (Selbst)Mord an Uwe Barschel rehabilitieren. Dabei tritt sie vielen Interessengruppen auf die Füße. Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten

Die Reihe beginnt sehr langatmig und zunächst sehr wirr wirkenden Einführungen der Figuren. Die ersten beiden Bände lesen sich daher stellenweise doch recht zäh, aber die Thematik verlangt das auch teilweise. Teilweise sage ich dazu, da ich das Gefühl habe, dass man einige Figuren bzw. Parteien in der Geschichte nicht unbedingt gebraucht hätte und auch den Leser verwirren könnten. Dazu kommt, dass die Schnitte und Sprünge doch sehr abprubt und irritierend sind. Ab dem dritten Teil gewinnt die Handlung doch ziemlich an Fahrt, da sich die verschiedenen Figuren langsam ineinander verflechten und dadurch eine doch ziemlich spannende Eigendynamik entwickeln.
Der Autor beherrscht es zudem sehr gut komplizierte, politische Sachverhalte zu erklären, aber auch dabei unterhaltsam und nicht zu ausschweifend zu sein. Was ihm vor allem dadurch gelingt, dass er Personen diese Informationen vortragen lässt, wodurch sie wiederum lebendig wirken ( Also die Infos, nicht die Personen).
Dennoch ist es eher Polit-als Thriller. Nervenaufreibende Action und Gänsehaut wird man ein wenig vermissen, es geht wirklich mehr um Politik, was vielleicht auch der Grund sein dürfte, warum es das Werk nicht zu so großer Bekanntheit gebracht hat. Die Thematik ist schon eher etwas für Politik- und Geschichtsfans, also wie mich, und/oder doch eher älteren Thrillerbegeisterten, die selbst noch aufmerksam den deutschen Herbst miterlebt haben.

Alles in Allem ist es aber ein grundsolides Werk, wenn man sich ein bisschen für das Thema interessiert. Der Sprachstil ist ok, zwar kein Pageturner, aber auch nicht besonders anstrengend. Was mich aber schon begeistert hat, ist, dass Breinersdorfer die Figuren größtenteils wirklich sehr lebendig wirken lässt und auch bestimmte Gesellschaftsschichten und Teile authentisch rüberbringt.
Ich gebe Berlin Classified 7/10 Stasiakten.