[Rezension] Die Tribute von Panem – Suzanne Collins

Bei diesem Werk muss man wahrscheinlich zur Handlung nicht mehr viel sagen, da wohl so ziemlich jeder ungefähr wissen sollte, worum es geht. Die Trilogie wurde mir bereits von mehreren Leuten empfohlen und ich bin dementsprechend positiv an die Lektüre gegangen. Ich will nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, aber für mich war vor allem der Schreibstil und die formale Aufmachung doch etwas enttäuschend.
Man muss fairerweise sagen, dass ich eigentlich aus der Adult-Fantasy-Ecke komme und eher weit ausschweifende, epische Formulierungen gewohnt bin. Von daher gewöhne ich mich so langsam an schnelle Zeitsprünge und sparsame Beschreibungen zugunsten des Unterhaltungswertes, aber ist es zu viel verlangt einen Absatz einzubauen, wenn man einen Zeitsprung von mehreren Tagen oder Wochen hat? Das kann man natürlich der Autorin nicht unbedingt ankreiden, aber ich will ja das ganze Buch bewerten.
Aber das sind Kleinigkeiten. Vor allem hatte ich aber das Gefühl, dass Genre, Form und Inhalt überhaupt nicht zu einander passen. Man hat hier ein Young-Adult-Roman, der passagen Enthält, die zu einem Horrorroman passen würden, aber in einem schnellen, jugendbuchtypischen Erzählstil, der auch noch irgendwie eine komplexe Haupthandlung und verschiedene, aber doch komplizierte Konflikte zwischen den einzelnen Hauptfiguren beleuchtet. Auf mich wirkte das teilweise so, als ob die Autorin krampfhaft versucht die Leser zu schocken und zu fesseln, wenn sie das Gefühl hatte, dass über zu lange Passagen komplexe Sachverhalte erklärt wurden oder Katniss selbst zu sehr über ihre Gefühle zu ihren zwei Liebhabern und ihrer armen, unschuldigen Schwester nachgegrübelt hat.

Nun ja, es ist aber natürlich nicht alles schlecht. Die Handlung ist im großen und ganzen gut gelungen. Die Darstellung der Figuren finde ich am besten. Sie haben Stärken, Schwächen und handeln auch glaubwürdig danach, entwickeln sich aber dennoch im Laufe der Handlung. Besonders haben mir Katniss und Peeta dabei gefallen. Katniss, weil sie sehr viele Schwächen hat und irgendwie auch unsympathisch ist, aber dennoch die Rolle der tragischen Heldin bis zum Ende spielt, dann aber doch letztendlich gewinnt und moralisch siegt. Das kann man schon als klassisches Motiv werten, wie es auch beispielsweise in Schillers „Maria Stuart“ vorkommt. Und ich mag die Weimarer Klassik! Peeta gefällt mir sehr gut, weil er zwar immer irgendwie Katniss liebt, aber kein verträumter, idealisierender Trottel ist, der blind alles für sie tut. Er reflektiert ihr Verhalten und kritisiert sie, ist aber dennoch ein aufopfernder und treuer Verehrer/Liebhaber. Mit dem Ende war ich auch glücklich und ich konnte zufrieden und ohne Schwermut den dritten Teil zuklappen.

Letztendlich sind die Tribute von Panem für mich ein gutes Werk, aus dem man aber noch mehr hätte machen können. Es ist, wie gesagt, für mich gut, aber hat auch einige Defizite, die für mich eine ganz hohe Wertung ausschließen. „Die Tribute von Panem“ bekommt daher von mir 7,5/10 Tribute.

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