Schreibe ich mit der Hand oder am PC?

Hallo ihr Lieben 🙂

Für lange Zeit war ich mir ziemlich unsicher, ob ich nun mit der Hand oder dem PC meine Geschichten zu Papier bringen möchte. Und auch jetzt weiß ich nicht, ob ich den optimalen Weg gefunden habe. Wahrscheinlich gibt es den auch nicht, aber ich möchte euch einmal die Vor- und Nachteile vor Augen führen, die euch die Entscheidung erleichtern können.

Als es noch keine Computer gab, wurde ja alles mit der Hand oder der Schreibmaschine geschrieben. So hat auch übrigens auf Stephen King angefangen. Aber was sind eigentlich die Vorteile, wenn man mit der Hand schreiben möchte, und was spricht dagegen?

Wenn du mit der Hand schreiben möchtest, dann musst du dich zunächst entscheiden, ob du in ein Notizheft oder auf lose Blätter schreiben möchtest. Aber egal, wie du dich entscheidest: Du kannst wirklich überall schreiben und bist unabhängig von der Technik, weil du keinen Strom für den PC oder Drucker brauchst. Das Papier kannst du überall mit hinnehmen, wenn du ein dünnes Heft oder einzelne Blätter hast, dann kannst du diese zur Not auch knicken, um sie in der letzten Ecke deiner Tasche zu verstauen.

Von einigen Leuten habe ich gehört, dass sie besser schreiben/zeichnen können, wenn sie einen Stift in der Hand haben. Auch mir hat das während meiner Schreibblockade geholfen.

Während des Schreibprozesses kannst du leicht noch einzelne Wörter zwischen die Zeilen quetschen oder Notizen an den Rand schreiben.

Ein Rechtschreibprogramm hat Papier auch nicht. Ich glaube sogar, dass das den kreativen Schreibprozess noch fördert.

Wenn du auf einem echten Blatt Papier schreibst, dann kannst du dich richtig bequem in dein Bett kuscheln, denn du musst nicht schauen, ob dein Laptop so steht, dass auch genügend Luft an ihn dran kommt und er nicht heiß läuft. Außerdem hast du dann wahrscheinlich auch kein Internet nebenbei laufen und wirst nicht so schnell abgelenkt.

Der größte Vorteil für mich ist, dass ich nicht zwischenspeichern muss. Das, was ich geschrieben habe, ist relativ sicher (natürlich nicht vor Wasser oder Teeflecken, auch nicht vor Feuer – aber wie sicher ist da ein PC, wenn es mal mehr wird?). Auch wenn du zwischenspeicherst, auf einen Stick zum Beispiel, kann deinem PC einfach mal einfallen, dass dieser neu konfiguriert werden muss, sprich: Er muss dafür alle Daten löschen. Upsi.

Die Nachteile habe ich ja teilweise schon genannt. Wird Wasser über deiner Geschichte verschüttet, dann kannst du, je nach Schreibinstrument, im dümmsten Fall gar nichts mehr lesen.

Zum Beispiel habe ich keine ordentliche Schrift – zumindest, wenn ich längere Zeit schreibe. Wenn du sie auch nicht hast, brauchst du dir keine Sorgen machen. Kreative Menschen denken wohl zu schnell, als dass sie das Gedachte langsam und in schöner, lesbarer Schrift niederschreiben können. Mir verdirbt es aber immer ein wenig die Laune, wenn ich sehe, wie sehr ich da rumgeschmiert habe.

Natürlich ist der nächste Nachteil ein First-World-Problem: Du musst deine Wörter selbst zählen, wenn du zum Beispiel am NaNoWriMo teilnimmst.

Für mich ist der größte Nachteil der, dass du dein Manuskript irgendwann abtippen musst. Ich glaube, dass kein Verlag mehr handschriftliche Manuskripte akzeptiert (man gebe mir Bescheid, sollte ich mich irren). Das Abtippen ist noch mal sehr zeitaufwendig. Vielleicht kannst du das auch mit deiner ersten Überarbeitung verbinden. Aber dennoch ist der Haufen an Papier demotivierend, zumindest für mich und irgendwann verlässt mich die Lust.

Kommen wir zum Schreiben am Pc. Hier sind die Vor- und Nachteile fast umgedreht.

Ein Vorteil ist, dass du automatisch deine Wörter gezählt bekommst. Du kannst dir sogar mit den richtigen Schreibprogrammen für Autoren die Seitenzahl deines Manuskripts ausrechnen lassen. Daneben gibt es noch viele weitere Spielereien, die ich nicht kenne, weil ich bisher nur FocusWriter ausprobiert habe und es recht minimalistisch scheint, im Gegensatz zu dem, was ich von anderen Programmen gelesen habe.

Für den kreativen Schreibprozess kannst du die Rechtschreibhilfe ausstellen, fürs Überarbeiten wieder an. Du kannst viele Kleinigkeiten in Kürze ändern, ohne noch einmal die ganze Seite schreiben zu müssen.

Klar, verträgt auch nicht jeder PC jede beliebige Menge an Wasser, aber wenn du eins, zwei Sicherungskopien hast, eine davon online, dann kannst du immer darauf zugreifen – vorausgesetzt du vergisst dein Passwort nicht 😉

Im digitalen Zeitalter, in dem wir ja bekanntermaßen leben, haben deine Alpha- und Betaleser wahrscheinlich eine e-Mailadresse. So kannst du sogar mehreren gleichzeitig dein Manuskript in kurzer Zeit übermitteln. Sie können dann digitale Anmerkungen machen, ohne dein Manuskript zu verändern. Gefällt dir ein Kommentar nicht, kannst du ihn löschen. Klick, fertig.

Der größte Vorteil für mich ist, dass du nicht alles abtippen musst. Du kannst mehrere Kopien auf deinem PC erstellen und alle anders bearbeiten; so hast du mehrere Variationen deiner Geschichte ohne großen Aufwand. Bei meinem Schreibprogramm kann ich sogar zwei Dokumente miteinander vergleichen und direkt sehen, welche Änderung mir am Besten gefällt. Außerdem kannst du dein Manuskript auch auf verschiedene Geräte übertragen und dort lesen und bearbeiten. Ist dein Manuskript fertig, dann kannst du es auch in andere Formate umwandeln, je nachdem was dein Verlag haben möchte. Dann schickst du es per Mail ab. Fertig. Abwarten.

Natürlich gibt es auch Nachteile. Wenn ich am PC sitze, dann lasse ich mich oft vom Internet ablenken. Helfen kann da das Programm FocusWriter, aber wenn wirklich im Internet surfen will, dann hält auch das mich nicht auf.

Am PC schreiben kann auch Schreibblockaden begünstigen. Man hat nur den blinkenden Cursor, auf dem Papier könnte man an dieser Stelle einfach etwas zeichnen, um sich einzustimmen. Mit Bildschirm und Tastatur ist das nicht so leicht.

Randnotizen am PC sind auch etwas umständlicher durch eine Tastenkombination oder einen Mausklick einzufügen. Das ist zwar auch wieder eher ein First-World-Problem, aber es ist nun mal da.

Außerdem bis du vom Strom abhängig. Du kannst nicht einfach irgendwo schreiben und im Bett, wo ich am liebsten lese und schreibe, ist die Gefahr hoch, dass der Labtop heiß läuft. Wenn du einen großen PC hast, ist der natürlich noch weniger transportabel.

Meine größte Angst ist, dass ich nicht oft genug Sicherheitskopien mache, bzw. es ganz vergesse. Technik zu vertrauen, ist eine meiner größten Macken. Und wenn der PC sich einen Virus einfängt oder auch nur das Programm abstürzt, dann ist das, was du geschrieben hast, futsch. Es sei denn, dein Programm speichert automatisch zwischen. Auch Datenträger können kaputt gehen oder Onlinespeicher können Probleme haben, gehackt werden, was weiß ich was noch.

Fazit

Nachdem ich mir selbst auch noch mal Vor- und Nachteile von beiden Methoden angesehen habe, stelle ich fest, dass sich das Handschreiben für den kreativen Prozess, also das Schreiben der Rohfassung sehr gut anbietet (wenn man sich denn dazu überwinden kann, alles im Nachhinein abzutippen). Für die nächsten Überarbeitungsschritte ergibt das Schreiben am PC mehr Sinn. Allerdings glaube ich, dass das nur für mich zutrifft, und dass jeder für sich selbst entscheiden sollte, welche Methode er wählt abhängig davon, welches Ziel er mit seinem Schreiben verfolgt und ob er (in einem Schreibmonat auch bei einer Rohfassung) einen Überblick über den Umfang seines Manuskripts haben möchte.

2 Kommentare zu “Schreibe ich mit der Hand oder am PC?

  1. Also ich kann aus Erfahrung (sowohl was meine anfänglichen schriftstellerischen Aktivitäten angeht, als auch als Blogger) sagen, dass ich beim eigentlichen Schreiben eines Textes mit dem PC wesentlich besser bin, da ich meine Gedaknen schneller zu Papier (oder eigentlich eher zu Bildschirm) bringen kann und den Satz so nicht fünfzehn mal in meinem Kopf umformuliere.
    Hingegen tue ich mir beim Konzeptionieren von längeren Texten leichter, wenn ich das handschriftlich mache. Das sieht dann zwar meist recht chaotisch aus, aber ich kann meine Gedanken so einfach leichter in Relation setzen als wenn ich zum Beispiel Skizzen in CeltX anfertige.

    Hauptgrund, warum ich aber lieber mit dem PC arbeite als mit Papier, ist, dass ich einfach zu blöd (oder auch zu unordentlich) bin, um mit den ganzen Blättern zurecht zukommen 😀 Früher oder später verliere ich sie irgendwo und treibe sie nie wieder auf. Spätestens wenn ich dann etwas auf den PC übertragen möchte, ist das dann natürlich absehbar 😀

  2. Meine Romane, deren Umfang immer zwischen 450 – 460 Seiten liegen, habe ich am PC geschrieben. Sie mit der Hand zu schreiben, empfinde ich als völlig aus der Zeit gefallen. Kaum ein Verlag nähme ein handgeschriebenes Manuskript an und wenn man während des Schreibens auf ein Schreibprogramm für Autoren zurückgreifen kann, so bietet das einfach mehr Möglichkeiten, die dem Korrektor schon viele Arbeiten abnehmen.
    Auch die Entwürfe und Ideen skizziere ich am Computer, sammle sie dort und werte sie aus, werfe sie neu zusammen oder streiche sie, bevor ich eine erste Rohfassung anfertige.
    Die Frage, einen längeren Text noch von Hand zu schreiben, stellt sich für mich gar nicht erst.
    Und soweit ich das für die Mitglieder unserer Autorengruppe absehen kann, gilt das auch dort.

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