[Rezension] Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse

Keine Panik! Dieses Buch wendet sich nicht gegen Vegetarier und Gemüse, sondern persifliert die kleinbürgerliche Gesellschaft Mitte/Ende der Achtziger bis zur Mitte der Neunziger. Es ist ein autobiographisches Werk in dem der Autor seine Zeit als „Mucker“ beschreibt. Heinz Strunk kann mit Anfang Zwanzig nicht viel mehr als verschiedene Blechblasinstrumente spielen. Also beschließt er seinen Lebensunterhalt, natürlich nur vorübergehend ( ) mit „Mucken“ zu bestreiten. „Mucker“ sind die Leute, die auf Dorffesten, Schützenfesten u.Ä. proletarischen Veranstaltungen aufspielen. Technisch und intellektuell ist er seinen Mitmusikern und Umgebung weit überlegen, wird aber so sehr von Selbstzweifeln geplagt, dass er sich aus seinen aktuellen Lebensumständen nicht befreien kann. Mit einer Mischung aus Tragik, Zynismus und Selbstironie beschreibt Strunk diese Jahres seines Lebens und man weiß als Leser nicht so wirklich, ob man weinen oder lachen möchte, wenn er von seinem unbefriedigenden Leben zwischen Mucken, Alkohol, Spielsucht, Depression und Einsamkeit schreibt.

Der Humor ist schon ziemlich speziell und hintergründig. Vieles versteht man nur, wenn man Ahnung von Musik und dem Leben/der Gesellschaft in dem Zeitraum hat. Obwohl ich über beides nur rudimentäre Kenntnisse verfüge, war ich von dem Werk begeistert. Kenntnisreichere Musiker und die Generation ü40 können hier sicherlich sogar noch mehr aus dem Werk ziehen.
Mich haben vor allem die Beschreibungen und der Stil von Strunk überzeugt, diese Mischung aus biographischen Berichten, die mit literarischen und gesellschaftskritischen Attitüden reflektiert werden.

Das Buch hat für mich keine Fehler und hat mich voll und ganz überzeugt, daher gibt es für mich 10/10 Souvlaki.

2 Kommentare zu “[Rezension] Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse

  1. Ich bin ja grosser Heinzer-Fan, aber lustigerweise hab ich seinen Klassiker nie fertig gelesen. Die anderen vier gefallen mir einfach viel besser, vor allem die Zunge Europas.

    PS: «Wir möchten euch nur darum bitten auf Rechtschreibung und Grammatikregeln zu achten» – sehr schön! 😀

    • Vielen Dank 😀 Wie ich schon schrieb, man braucht einen gewissen Zugang zu der Zeit und der Thematik. Richtet sich jetzt das Zitat an uns oder ist das aus einem seiner anderen Werke? (Ich habe bis jetzt nur das eine gelesen)

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