[Rezension] „Kommando Flächenbrand“ – Markus Heitz

Kommando Flächenbrand“ ist eine Sammlung von vier Erzählungen des Autors Markus Heitz. Das Besondere an diesem Werk ist, dass es sich um politisch-fiktionale Erzählungen handelt. Sie sind also zum einen Fiktionen, haben aber zum anderen einen klar aktuell politischen Bezug. Eigentlich wollte ich nicht mehr Rezensionen schreiben, weil ich dieses „Bewerten“ von Kunst eigentlich nicht mag, aber für diese Publikation will ich es tun, um es zu unterstützen und bekannter zu machen. Daher möchte ich besonders dem Verlag und der Verlegerin – natürlich auch dem Autoren – ein Lob aussprechen, dass sie sich in dieser Zeit an so ein Projekt getraut haben, das ich persönlich für sehr wichtig halte. Da Politik aber eine persönliche Sache ist, werde ich die Bewertung zweiteilen: in einen formal-literaturkritischen und einen subjektiv-politischen Teil.

Literaturkritische Bewertung

Das Format hat mich bereits auf den ersten Seiten überzeugt. Es ist abwechslungsreich und dynamisch, weil Heitz verschiedene Arten von Prosa auch innerhalb einer Erzählung anwendet, sowie auch jede Erzählung für sich einer anderen Gattung zugeordnet werden kann. Auch inhaltlich greifen die einzelnen Geschichten jeweils einen anderen Aspekt des übergeordneten Themas „Flucht“ auf. Die Erzählungen sind allesamt gut und leicht zu lesen, sodass ich das Werk auch innerhalb eines Nachmittags in einem Rutsch gut durchlesen konnte.

Dennoch gibt es sprachlich einige wenige Schwächen, die ich so von Heitz auch nicht kenne. Einige Formulierungen wirken besonders in den ersten beiden Geschichten ein wenig „plump“. Das ist nicht weiter schlimm, weil es wirklich nur ein paar wenige Sätze sind, aber ich bin drüber gestolpert. Diese Sätze hatten interessanterweise auch den Inhalt, der meinen zweiten Kritikpunkt bildet: Manche Aussagen beeinflussen den Leser zu sehr oder geben Informationen, die der Leser sich selbst denken sollte, kann oder muss. Hier wäre teilweise weniger mehr gewesen. Dennoch sind die beiden Kritikpunkte quantitativ so wenig vertreten, das ich hier nur geringe Abzüge gebe.

„Kommando Flächenbrand“ ist ein gutes und wichtiges Werk, das kleine Schwächen hat. Ich gebe ihm 8/10 Sternen.

Politische Deutung

Als politisch autonomer Antifaschist kann ich mich der Grundaussage des Werkes nur aus vollstem Herzen anschließen:  Wir müssen den vielen Flüchtlingen und Verzweifelten in der Welt helfen. Nicht nur, weil es für mich als Humanisten einfach eine Pflicht darstellt, sondern weil wir (die Bürger der reichen Industrienationen) maßgeblich für die Grundursachen verantwortlich sind.

Aber es gibt zwei Punkte in dem Werk, die aus politischer Sicht bemängeln muss: Zum einen wird stellenweise Links- und Rechtsextremismus gleichgesetzt, in einem Atemzug genannt, während das Bürgertum bzw. die engagierte Mitte glorrifiziert wird. Dazu kann ich nur sagen, dass die autonome und politische Linke ganz anders agiert und andere Ziele hat als die rechten Pendants. Weiterhin sind oft am Ende die autonomen Linken, die Flüchtlinge auch aktiv beschützen – auch wenn die Polizei und die Mitte der Gesellschaft versagen, das haben Freital und Heidenau in neuester Zeit gezeigt.

Zum anderen wird in der ersten Erzählung ein sehr plumper Antiamerikanismus propagiert, nach dem die komplette amerikanische Geheimdienst- und Führungsriege ein haufen selbstsüchtiger, rassistischer Menschen ist. Das scheint mir doch ein wenig sehr einseitig zu sein.

Generell ist es politisch gesehen ein begrüßenswertes Werk, das ich auch jedem politisch interessierten weiterempfehlen kann. Letztendlich hätte ich mir doch stellenweise ein wenig mehr Differenzierung gewünscht. Selbstverständlich darf man dabei nicht vergessen, dass es sich bei Heitz‘ Werk noch immer um ein literarisches (Kunst-)Werk handelt und keinen politischen Aufsatz. Daher will ich betonen, das die letztgenannten Kritikpunkte rein subjektiv sind und auch nicht in meine Gesamtbewertungen des Werkes eingeflossen sind.

[Rezension] Night Where – Die totale Unterwerfung von John Everson

Dieser Roman war für mich eine Prämiere. Das erste mal las ich einen „SM-Thriller“, generell ein Werk mit einem erotischen Schwerpunkt. Dementsprechend bin ich gespannt und ohne große Erwartungen an die Lektüre gegangen. Die ersten Seiten haben mich schnell gefesselt … Weiterlesen

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[Rezension] Die Mechanik des Herzens – Mathias Malzieu

Dieses Werk hat mich sehr beeindruckt und wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zuerst einmal war ich skeptisch. Das Buch bringt in der deutschen Fassung nicht einmal ganz zweihundert Seiten auf die Waage und ich bin eigentlich eher ein Fan von … Weiterlesen

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[Rezension] Agent 6 – Tom Rob Smith

Agent 6 ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnliches Buch, das ich erst auch eine Weile auf mich wirken lassen musste, bevor ich es rezensieren konnte. Im Nachhinein gefällt mir das Buch doch viel besser als beim Lesen, da mich viele dieser außergewöhnlichen Dinge beim Lesen gestört haben, die ich aber in der Retrospektive gut oder gar nicht mehr so dramatisch halte. Über den Inhalt will ich nicht viele Worte verlieren, da man bei diesem Werk sehr schnell zu viel verraten kann, weil alle Ereignisse recht engmaschig verknüpft sind. Es sei nur so viel gesagt, dass sich die Handlung über fast die gesamte Zeit des kalten Krieges hinweg zieht. Die Hauptfigur ist die meiste Zeit über ein sowjetischer Agent, Leo Demidow, der versucht eine persönliche Tragödie aufzuklären.

Der Roman hat einen Erzählraum über dreißig Jahre und wechselt auch die Hauptfiguren, wobei Leo die Hauptfigur am Anfang und Ende des Romanes ist. Was sich schwerfällig und unübersichtlich anhört, wird gut verständlich erzählt und auch ohne große langschweifige Erzählungen. Man kann sagen, dass es ein echter Pageturner ist. Dem Autor gelingt es wirklich gut auch die innerliche Veränderung des Protagonisten über die Jahrzehnte hinweg darzustellen. Seine Gedanken werden schwerer, langläufiger, ruhiger, während er als junger Offizier noch in klaren, radikalen Strukturen denkt. Die Handlung und der Hintergrund sich schon etwas für Interessierte und/oder die ältere Generation, die zumindest teilweise den kalten Krieg mitbekommen hat. Ich zähle mich zur Gruppe der Interessierten und habe dazu noch mit einem schweren Sowjetfetish zu kämpfen, deswegen hat mich das Grundthema auch so angefixt. Dabei erzählt der Autor jedoch sehr neutral und wertfrei und keine der Seiten kommt in dem Buch wirklich gut oder schlecht weg.

Es gibt zwei Punkte, die ich ein wenig, ich will nicht sagen prinzipiell schlecht, sondern schlecht umgesetzt finde. Der eine ist, dass es kurze Nebenhandlungen/Passagen/Kapitel gibt, die nicht wirklich etwas mit der Haupthandlung zu tun haben. Ich führe meine Leser selbst gerne aufs Glatteis handlungsmäßig, dann aber richtig und nicht irgendwie so halb, bzw. einfach irgendwelche Episoden die unwichtige Hintergründe für nicht relevante Nebenerwähnungen liefern. Aber diesen Punkt finde ich gar nicht so dramatisch. Dramatisch war der zweite. Es wurde eine vollkommen unnötige Liebesgeschichte relativ spät im Roman eingeführt und das hat mich im ersten Moment richtig auf die Palme gebracht. Glücklicherweise war das nur eine kurze Episode und wurde nicht weiter ausgebaut. Persönlich habe ich den Eindruck, dass in beiden Fällen das Lektorat im Nachhinein reingefuscht hat, da sich besagte Szenen nicht so richtig in das Gesamtkonzept einpassen.

Schlussendlich ist es hier ein guter Roman, der mich nicht vom Hocker gehauen hat, aber gut unterhalten. Das Lektorat ist, meiner Meinung nach, grottig gewesen und hat entweder bestimmte erzählhandwerkliche Fehler übersehen oder erst hineingebracht. Ich gebe „Agent 6“ 7/10 KGB-Agenten.

[Ankündigung] Schreiben nach Punkten

Hallo ihr Lieben!

Seit einigen Monaten habe ich schon herum experimentiert und versucht einen Weg zu finden, wie ich mich selbst zum Schreiben motivieren kann. Wer schon einmal an einem Schreibmonat teilgenommen hat, der hat vielleicht auch gemerkt, wie motivierend das ist, gemeinsam zu schreiben.

Mit meinem Plan habe ich einen Zwischenweg gefunden und möchte euch auffordern mitzumachen.

Wie funktioniert das?

Ihr kennt das eigentlich schon so ähnlich aus der Schreibmotivation-Schreibinspirations Gruppe auf Facebook. Jeden Tag hat Ben eine Schreibaufgabe gepostet mit einem festgelegten Wortziel. Da aber nicht jeder jederzeit an seinem Projekt schreibt und auch nicht alle das vorgegebene Ziel erreichen konnten, habe ich mir „Schreiben nach Punkten“ überlegt. Dabei wird nicht nur das Schreiben sondern auch das Planen und Überarbeiten eingerechnet. Das System ist sehr einfach und ihr könnt jeden Tag neu anfangen, Punkte zu sammeln.

Der Dezember wird ein Testmonat sein, daher bin ich auf eure Rückmeldungen gespannt und offen für Änderungen.

Das Punktesystem

Wie Stephen King schon sagte „The scariest moment is always just before you start.“ Also wird auch beim „Schreiben mit Punkten“ schon der Moment mit einem Punkt belohnt, an dem du anfängst an deiner Geschichte zu arbeiten (ob du nun schreibst, überarbeitest, ein Cover erstellst oder planst ist dabei völlig egal). Jede viertel Stunde (15 Minuten), die du an deinem Projekt arbeitest, bringt dir ganze zwei Punkte ein. Für jede Stunde (60 Minuten), die du voll machst, gibt es drei Bonuspunkte.

Beispiel:

1. Du hast an einem Tag 50 Minuten an deinem Projekt gearbeitet, dann bekommst du einen Punkt, weil du angefangen hast + 6 Punkte für drei mal 15 Minuten (=45 Minuten). Das macht für diesen Tag insgesamt 7 Punkte.

2. Du hast an einem Tag 135 Minuten an deinem Projekt gearbeitet, dann bekommst du einen Punkt, weil du angefangen hast + 18 Punkte, weil du 9 mal 15 Minuten gearbeitet hast (135/15=9 mal 2 Punkte) + 6 Bonuspunkte, weil du zwei Stunden vollgemacht hast (135/60=2,25 mal 3 Punkte). So hast du dir für 2 Stunden und 15 Minuten 25 Punkte erarbeitet.

Was ist das Ziel?

Für mich ist das Ziel, mehr Zeit in meine Projekte zu investieren. Ich habe lange überlegt, ob ich vielleicht für das Planen und Überarbeiten andere Werte ansetzen soll, bin aber zu dem Entschluss gekommen, dass sich so die Punkte untereinander besser vergleichen lassen. Besser noch als die Wortzahlen im NaNo, denn jeder Schreibt unterschiedlich schnell, hat am Tag jedoch die gleichen 24 Stunden zur Verfügung. Natürlich weiß ich, dass diese Zeit von jedem unterschiedlich gefüllt wird, aber wer sich überwindet, wenigstens einen kurzen Gedanken für sein Projekt zu ver(sch)wenden, der kann in einem Jahr auch 365 Punkte zusammen bekommen.

Es ist nicht wichtig, wie viel man an einem Tag schafft, es ist wichtig regelmäßig an seinen Projekten zu arbeiten. „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ 😉

Wie sieht denn jetzt das Ganze in der Praxis aus?

Ich werde jeden Tag einen Beitrag in der Gruppe posten. Darunter kommentiert ihr dann eure Punktzahl für den Tag. Sollten im Laufe des Tages noch Punkte hinzu kommen, dann kommentiert ihr einfach + und die entsprechende Punktzahl (dann weiß ich Bescheid und kann die Punkte im Dokument einfach addieren).

Ich werde ein Googledokument erstellen, in das ich dann eure Namen und Punkte regelmäßig eintragen werde. Ihr werdet euch das Dokument ansehen, aber nicht bearbeiten können. Das Dokument wird dann in der Facebookgruppe verlinkt 😉

Zusätzlich gibt es hier ein PDF, das ihr euch runterladen, ausdrucken und in dem ihr eure Punkte selbst eintragen könnt.

Schummeln?

Ganz ehrlich, wer schummelt, der trickst sich doch selbst aus. Klar, vielleicht ist er dann weit vorne mit seinen Punkten, aber was bringt das, wenn er in Wirklichkeit gar nicht mit seinem Projekt weiter kommt? Ich kann nicht überprüfen, ob jemand die richtige Punktzahl angibt und will es auch gar nicht. Es liegt in eurer Hand. Und wenn ihr kein Buch veröffentlicht, dann macht es jemand anderes an eurer Stelle. Glaubt mir, es wird keiner merken 😀 (Natürlich gilt das auch für Hobbyschreiber. Am Ende ist es frustrierend, sich selbst zu belügen.)

Feedback!

Schreibt mir bitte unbedingt, was ihr von der Idee haltet, und was ich verbessern kann.

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[Rezension] Die Seiten der Welt – Kai Meyer

Ein Buch, das mich auf verschiedene Weise sehr überrascht hat. Und damit werde ich heute mal anfangen, mit dem, was ich erwartet hatte: Ein schwärmerisches Jugendbuch, das voller überhöhter Literatur in all ihren Facetten steckt. Geschrieben in einer harmlos-jugendgerechten Form … Weiterlesen

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16 wichtige Fachbegriffe, die man als Autor kennen sollte

Schaut euch mal diesen Artikel hier an. Einige Begriffe kannte ich auch noch nicht. Besonders die Story Bible ist mir aufgefallen; das werde ich demnächst sicher bei einem meiner Projekte mal ausprobieren. Es klingt unheimlich interessant 🙂
Eure Tinka 🙂

[Rezension] Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse

Keine Panik! Dieses Buch wendet sich nicht gegen Vegetarier und Gemüse, sondern persifliert die kleinbürgerliche Gesellschaft Mitte/Ende der Achtziger bis zur Mitte der Neunziger. Es ist ein autobiographisches Werk in dem der Autor seine Zeit als „Mucker“ beschreibt. Heinz Strunk … Weiterlesen

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