Lajos Egri und der dreidimensionale Charakter

Stell dir vor, du öffnest ein Buch und liest von einem der Charaktere. Du staunst, weil du glaubst, du könntest diesen Charakter anfassen. Tja, bevor du das auch schaffst, musst du deinen Charakter dreidimensional wirken lassen? Wie? Das will ich dir mal erklären!

Egri wählte drei Dimensionen. Die physiologische, soziologische und die psychologische. Wenn man all diese Dimensionen ausgefüllt hat, darf man mit einem „Tschakka!“ auf den Lippen loslegen zu schreiben. Aber lasst uns ganz langsam anfangen.

Dimension eins, die physiologische, beinhaltet den Grundaufbau deines Charakters. Größe, Geschlecht, Gewicht, Rasse, Alter und Gesundheitszustand gehören dazu. Das sind eher Dinge, die man nicht wirklich sieht und die man auf einem Lebenslauf antrifft. Doch auch Hautfarbe, Körperbau, Körperhaltung, Allergien, Stimmlage, Mundgeruch, Neigung zu Schweißausbrüchen, nervöse Ticks und Gesten machen deinen Charakter aus. Auch Narben, Verunstaltungen und Abnormitäten dürfen nicht vergessen werden.

In der zweiten Dimension geht es um den soziologischen Aspekt. Aus welcher Sozialen Schicht kommt der Charakter und aus welchem Milieu ist er? Was für Schulen hat er besucht, welche politischen Ansichten hat er angenommen? Welcher Religionsgemeinschaft gehört er an? Und, was vielleicht viele wissen, die Erziehung hat ein Wörtchen mitzusprechen. Was hielten die Eltern deines Charakters von Dingen wie Sex, Geld und Karriere? War die Erziehung streng, locker oder irgendwas dazwischen? Hatte dein Charakter genügend Freiheit oder wurde ihm alles dirigiert? Und – war/ist dein Charakter ein Mauerblümchen oder hat er verlernt seine Freunde mitzuzählen?

Die dritte und letzte Dimension ist die psychologische und ein Ergebnis aus der soziologischen und der physiologischen Dimension. Hat der Charakter Phobien, Manien, Komplexe, Ängste, Hemmungen, Schuldgefühle, Sehnsüchte oder Fantasien? Wie läuft‘s mit seiner Intelligenz, hat er irgendeine besondere Begabung, eine großartige oder seltene Fähigkeit? Wie schlüssig sind seine Argumentationen? Was sind seine Gewohnheiten, seine Erregbarkeiten? Wo ist er empfindlich und was sind seine Talente?

Fertig, deinen Stereotypen zu einem „Boah Ey!“ zumachen? Na, dann war das hier vielleicht eine gute Hilfe. Mehr Tipps dieser Art findet man in dem Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ von James N. Frey.
Gastbeitrag von
Mordgeflüster in der Sesamstraße

Über Schizophrenie, Emotionen und Spaß am Morden.

Ich habe es getan. Ich habe jemandem das Leben genommen. Ich habe ihn vor ein Auto geschubst und getötet. Und es fühlt sich gut an.

Doch bevor ihr jetzt die Polizei ruft und mir ein paar nette uniformierte Beamte zur Wohnung schickt oder gar im Netz auf Selbstjustiz und Vogelfreiheit pocht:

Ich habe eine Romanfigur getötet. Meine Figur. In meinem Kopf. Mit Worten.

Schlimm genug, denkt ihr? Schließlich sind doch auch „Ballerspiele“ nicht umsonst in aller Munde verpönt. Gewaltverherrlichende Bilder, die einen einladen, sie in die Realität umzusetzen! Schießereien, Kämpfe, blutige Auseinandersetzungen! Pfui!
Was ist dann aber mit der Gewaltdarstellung in Büchern? Sind Autoren/Schriftsteller, die sich unter anderem dem Krimigenre verschrieben haben (was ein Wortspiel!), allesamt gewalttätige hinterlistige Meuchelmörder? Wir beschreiben und umschreiben detailliert die grässlichsten Szenen, lassen uns die schlimmsten Todesarten einfallen, die möglichst qualvoll und bestialisch, aber auch clever sein sollen. Wir wollen den Leser schocken. Wir wollen, dass er sich angewidert abwendet, ehe er vor Neugierde und Kribbeln in den Fingern dennoch weiterliest. Wir wollen ihn süchtig machen. Nach unseren Worten.
Wer hat sich noch nicht Gedanken darum gemacht, wie wohl der perfekte Mord aussähe? Wie machen wir es einem Ermittler in einem Mordfall so schwer wie möglich, eben diesen zu lösen? Wie viele Ecken und Kanten braucht eine Geschichte, um plausibel grausam zu sein? Wir denken uns so viele Gräueltaten und Verschwörungen aus und bringen sie auf noch mehr Weisen zu Papier, dass es doch gar nicht mehr gesund sein kann. Oder?

Na und ob!

Wir sind (Charakter-)Bauherren, Psychologen, Soziologen, Mediziner, Ermittler, Familienplaner und –berater, Liebende, Hassende, Soziopathen, Psychopathen, Kleinkriminelle, Betrüger und Mörder – wir vereinen unglaublich viele Charaktere in uns, dass es fast schizophren wirken könnte. Doch genau das macht einen Schriftsteller, Autor, ja, einen Menschen aus, dass wir uns in jedwede Person hineinversetzen und jede Situation hinterfragen und analysieren können, um sie letztlich in Worte zu fassen. In einem Wort: Vielseitigkeit.
Schreiben ist eine emotionale und besonders intime Angelegenheit, weil wir mit dem geschriebenen Wort unser Innerstes nach außen kehren und der Welt zeigen, was in uns vorgeht. Wir offenbaren unsere größten Ängste, unsere Träume und Hoffnungen, unsere Hochs und Tiefs, vor allem aber unsere dunkelsten Seiten, die wir meist selbst erst in dem Moment entdecken, in dem wir diese ach so kaltherzigen Dinge niederschreiben.

Was bin ich doch für ein Mensch!, wird sich wohl manch einer denken. Wie auch ich, als ich das erste Mal einen Mord beschrieben habe, als ich das erste Mal in den Kopf eines Killers hineingeblickt und mich seltsamerweise pudelwohl gefühlt habe.  War oder ist denn etwas nicht in Ordnung mit mir? Sind solche mit barbarischen Details ausgeschmückte Szenen in meinem Kopf überhaupt noch Teil eines gesunden Geistes oder muss ich darum bangen, dass jeden Moment weißgekleidete Männer in meine Wohnung stürmen und mir eine Jacke umlegen, deren Gebrauch seit den 70er Jahren nicht mehr üblich ist, die aber nur für mich noch ein letztes Mal herausgeholt wird, um mich letztlich in eine Gummizelle zu sperren?

Nein. (Jedenfalls hoffe ich das, dachte sie und blickte sich hektisch im Raum um.)

Wir Schreiberlinge, Schriftsteller, Autoren oder einfach nur die, die gerne mit Buchstaben jonglieren, wir leben mit unglaublich vielen Identitäten in uns und sind in der Lage, bei Bedarf jede einzelne hervorzuholen. Oder sollten es im Idealfall sein. Wer einen Film dreht, hat Schauspieler, die vor der Kamera agieren, aber jeder von ihnen verkörpert nur eine Figur, sie beschränken sich auf das Gefühlsleben einer einzigen Person. Bevor sie aber mit auswendiggelerntem Text vor die Linse treten, muss doch jemand diese Worte, die sie eindrucksvoll echt herausbringen, schreiben? Wieder steckt ein Autor dahinter, der sich in jede Figur hineinversetzt, nein, er erschafft sie. Sie entstehen aus ihm heraus, beziehungsweise sie leben in ihm, noch bevor er ihre Handlungen niederschreibt. Ein Buch oder ein Film – in diesem Fall eher ein Drehbuch – ist eine Ansammlung geballter Emotionen und Charakterzüge einer Person, dem Autor.

Kommen wir zurück zum Krimi. Es gibt nicht nur den Mord samt dem zugehörigen Täter und Ermittler – es kann sich auch um einen Serienmord handeln, das ist aber im Moment irrelevant. Es gibt das Opfer, das eine Familie, Freunde und ein Leben hatte. Es gibt die Umstände, die zum Vorfall geführt haben. Vielleicht gibt es sogar die Schuld von Außenstehenden. Doch die Hinterbliebenen wollen auch in das Geschehen miteingebunden, die Umstände gelöst werden – was ein reines Gefühlschaos verursacht. Im Autor.
Wir versuchen also den Antrieb des Mörders mit dem Kalkül des Ermittlers und der Trauer, Wut und Hilflosigkeit der Angehörigen zusammenzuführen – alles in einer Person, nämlich uns selbst. Das, meine Lieben, ist Kunst. Oder besser: Kunstfertigkeit. Es erfordert ein Höchstmaß an Einfühlungsvermögen, um die Emotionen für den Leser klar verständlich aber auch nachvollziehbar rüberzubringen. Das dürfen wir nie vergessen. Unsere Worte müssen das wiederspiegeln, was wir empfinden, wenn wir diese eine Person im Kopf haben und mit ihr handeln. Wir müssen – ganz wie ein Schauspieler – wie die Figuren denken, wie sie fühlen, wie sie leben. Auf dem Papier. In dem Moment, in dem wir die verkörpern, malen wir mit Worten ein Bild – ein realistisches Abbild. Wir müssen selbst damit zufrieden sein – auch wenn es keinen Autor oder irgendeinen Künstler gibt, der jemals mit seinem fertigen Werk zu 100 Prozent zufrieden ist –, sonst kauft es uns niemand ab.
Wieder ist es wie im Film. Ist das Blut der (menschlichen) Figur blau, ist es einfach nicht realistisch. Lacht die Person, während sie bei lebendigem Leib aufgeschnitten wird, ist es ebenso wenig der Realität entsprechend – es sei denn wir schreiben einen BDSM-Roman, aber das ist eine andere Sparte. Sind spielende Kinder im Bild, während unsere Figuren ein belegtes Grab ausheben, würde das den Zuschauer auch wundern. Genauso gehen wir mit unseren Texten vor. Genauso beschreiben wir den Mord. Möglichst realitätsnah und nach Gefühl.

Vielleicht sind wir diejenigen, die den Mord „begehen“ – der Familie Bruder, Schwester, Mutter, Vater oder sogar das Kind nehmen –, aber der Leser ist es, der verlangt, dass wir es tun. Das hier soll selbstverständlich keine Schuldzuweisung sein, keinesfalls. Es soll nur die Symbiose verdeutlichen, die der Autor durch die Figuren – insbesondere ihre Emotionen – mit dem Leser eingeht. Der Autor verschmilzt mit ihm, indem er genau den Nerv trifft, den letzterer offengelegt hat.
Der Leser will sich für einen Augenblick wie ein Serienkiller fühlen, er will mit den Trauernden weinen – vielleicht auch nur für sich selbst, weil er die Figur liebgewonnen hat –, sich mit dem knitterigen Polizisten ärgern und mit ihm gemeinsam über das Motiv und den Tathergang philosophieren. Er will aus seiner sozialen Rolle herausgerissen und in eine ihm vollkommen fremde Welt hineingesetzt werden. Okay, (dank Hollywood) vielleicht nicht ganz fremd, aber nicht alltäglich. Er will von Dingen lesen, die ihm auf dem Weg zur Arbeit niemals begegnen würden. Er will Bilder vorm geistigen Auge haben, die ihm den Schlaf rauben. Und dennoch genießt er es. Er genießt die Gänsehaut, die wir ihm verpassen, und den Plottwist, der die gesamte Handlung auf den Kopf stellt, obwohl er sich doch so sicher war, wer nun letztendlich der Täter ist. Er hasst das offene Ende, das andeutet, dass die Geschichte weitergehen könnte oder auch nicht, und er liebt es zugleich, zu überlegen, wie es tatsächlich ausgeht. Er findet die blutigen Beschreibungen zu intensiv, blättert aber später wieder zurück, um nachzulesen, ob es der linke oder rechte Ringfinger war, der abgetrennt wurde. Und all diese Widersprüche, diese Gefühlsschwankungen verursachen wir, indem wir nur das niederschreiben, was in unseren Köpfen vorgeht. Na, gibt uns das ein leises Gefühl von Macht? 🙂 (Zu Weber und der Definition von Macht  und evtl. dem Recht des Stärkeren werde ich demnächst noch einen Beitrag in der Theorieecke leisten.)

Der Leser will also, dass wir für ihn „morden“, und wir tun es gern, denn schließlich ist es, für ihn wie für uns, ein Gebiet, das verlockender nicht sein könnte – das perfekte Verbrechen begehen, ohne die Konsequenzen zu durchleben, in die verbotene Frucht beißen, ohne aus dem Garten Eden verbannt zu werden. Denn Eden haben wir erschaffen. Eden ist in uns. Samt Kain und Abel. Wir müssen nur gut genug suchen.

Eure nogusvelo

Prokrastination – Schieben des Aufgeschobenen und andere verschrobene Angewohnheiten

Wer kennt das nicht? Sobald eine größere Aufgabe vor uns steht – sei es im privaten, akademischen oder beruflichen Bereich –, wird sie so lange und so weit wie nur möglich hinausgezögert und aufgeschoben, bis sie wie eine dunkle alles verschlingende Wolke tief über uns hängt und nichts anderes übrig bleibt, als sie schließlich viel zu spät anzupacken, damit wenigstens die Deadline/Note/Anerkennung/wasauchimmer gerettet werden kann. Übrig bleibt danach nur noch eine Frage:

Warum habe ich mir das angetan?

Scheinbar war die Aufgabe gar nicht so schwer, wie zu Anfang angenommen, sie hat nicht viel Zeit gekostet und es hat am Ende vielleicht sogar Spaß gemacht. Und dennoch wurde sie bis an den Rand der Klippe geschoben, bis sie uns fast mit sich runtergerissen hat.  Die Nerven liegen in den letzten Minuten kurz vor der Abgabe blank, jeder, der es wagt, sich zu nähern, bekommt eine Seite von uns zu sehen, die nicht einmal die eigene Mutter kennt. Würden wir in dem Moment in den Spiegel sehen, wäre es womöglich ein schockierendes Bild.
Wir machen uns damit selbst kaputt, das wissen wir sogar, nur hindert es uns nicht daran, es immer und immer und immer wieder zu tun. Diese leeren Versprechungen uns selbst gegenüber könnten wir uns doch eigentlich sparen, immerhin ist es nicht so einfach, die eigene Person zu belügen. Oder?
Anscheinend schon, denn wir wiegen uns nach (endlich) getaner Arbeit zufrieden in den Gedanken, dass das nächste Mal alles besser wird und wir früher anfangen werden. Das nächste Mal. Ganz bestimmt. Dann wachsen wir über uns selbst hinaus. Reine Lippenbekenntnisse, jedenfalls in den meisten Fällen. Also belügen wir uns mit dieser Strategie nicht nur selbst, sondern laufen zusätzlich Gefahr, unser Gesicht zu verlieren, indem wir scheitern. Immerhin kann es nicht jedes Mal gut ausgehen, es kann auch mal ordentlich in die Hose gehen. Man schafft die Deadline nicht, recherchiert nicht ausreichend oder die Qualität leidet unter dem Druck und der fehlenden Zeit – und was dann? Dann wartet nur noch mehr Arbeit auf uns. Dann müssen Benachrichtigungen geschrieben, Entschuldigungen vorgegaukelt und Versprechen abgegeben werden, die aber zum Schluss wieder nichts wert sind. Hier sollte aber wohl eher ein Fragezeichen stehen. Sind all diese Sachen wirklich nichts wert?
Sie haben sogar einen sehr großen Wert. Sie sollen uns beibringen, uns endlich zu disziplinieren, endlich die Dinge in die Hand zu nehmen, endlich aufzuhören, unsere Arbeit aufzuschieben.
Es ist unangenehm, zugeben zu müssen, dass man nicht in der Lage war, eine einzelne Aufgabe auszuführen. Es ist eine Niederlage für das Ego, für seine eigene Inkonsequenz um Entschuldigung bitten zu müssen. Es ist traurig, denn wir wussten es von vornherein und hätten es ändern können.

Was also tun, wenn es mal wieder soweit ist? Wie kann man dieses wunderbar schreckliche Gefühl der Verdrängung … ja, verdrängen? Könnte man die Prokrastination nicht prokrastinieren? Wenn wir so gut darin sind, wäre es doch ein Leichtes, eben diese Fähigkeit auf unseren geliebten Feind anzuwenden. Feuer mit Feuer bekämpfen eben.

Nein? Warum nicht?

Es sind so viele Faktoren, die uns Dinge aufschieben lassen, Gründe, die, sobald sie ausgesprochen werden, vollkommen sinnfrei und banal klingen. Würden wir die Prokrastination aufschieben, wäre auch diese nur aufgeschoben, wie alles andere auch. Auch sie würde früher oder später wieder an ihren Platz schleichen und sich immer weiter ausdehnen. Doch das ist der Clou. Wir dürfen ihr nicht so viel Raum bieten. Sie muss im Zaum gehalten werden, koste es, was es wolle – außer wertvoller Zeit.

Das Aufschieben selbst ist ein Prozess, der mit Überlegungen hinsichtlich der auszuführenden Arbeit beginnt. Man macht sich Gedanken darum , was auf einen zukommen wird, welche Arbeitsschritte getan werden müssten, um überhaupt in Schwung zu kommen, und schon ist er da, der innere Schweinehund, der uns plötzlich von hinten festhält und ins Ohr flüstert, dass es noch so viele andere Dinge gibt, die man lieber tun kann, als diese eine Sache. Wir haben noch nicht einmal richtig angefangen, uns mit der Aufgabe auseinanderzusetzen, schon blocken wir sie ab. Aber das ist eben der Fehler und hier ein erster Tipp:

Nicht lange fackeln, ran an den Speck.

Ehe wir in Grübeln versinken und uns unnötig viele Sorgen und Gedanken machen – natürlich nur im Hinterkopf, schließlich wollen wir jegliche mit der Aufgabe zusammenhängende Arbeit vermeiden –, ist es besser, sich einfach an die Arbeit zu machen, ohne an die Arbeit zu denken. Verständlich oder? 😉 Roboterartig auf die vier Buchstaben setzen, anfangen und irgendwann kommt entweder der Punkt, ab dem man entweder Spaß an der Sache hat oder wenigstens die Motivation, sie zu beenden, wenn man schon mal angefangen hat.

Der eine oder andere kann das aber vielleicht nicht, sich einfach unverfroren einer wichtigen Angelegenheit widmen; abschalten, bevor man überhaupt einschaltet. Disziplin und Motivation funktionieren auch nicht auf solchem Wege. Richtig?
Gut, dann gewöhnen wir doch diese beiden schüchternen Kollegen Stück für Stück an uns.

Tipp #2: Belohnungen!

Noch bevor man an die Arbeit geht, wird ein Ziel gesetzt, das erreicht werden soll, ehe man sich wieder für eine Weile entspannen kann. Entsprechend muss gleichzeitig eine Belohnung festgelegt werden, die das Erreichen des Ziels noch süßer macht als der Geruch des Erfolgs.
Hier sprechen wir nicht von einem Schokoriegel – obwohl das natürlich auch sein darf, wenn es euch hilft – oder einem neuen Gadget, wofür vielleicht auch noch Geld ausgegeben werden müsste. Ich meine die kleinen Dinge, die für uns so selbstverständlich sind, dass wir sie gar nicht als Belohnung wahrnehmen. Um die Hüften vor lauter Schokolade und den Geldbeutel vor Leerstand zu schützen, gewöhnen wir unsere verwöhnten Gemüter daran, den Alltag als etwas Besonderes außerhalb dieser Arbeit/Aufgabe zu sehen. Für den einen ist es, eine schöne DVD mit dem/der Liebsten anzusehen oder in der eigenen Welt zu versinken, während man sie niederschreibt. Ein Treffen mit dem/der besten Freund/Freundin, spielen mit der Katze, ein schönes Buch, eine YouTube-Session oder was auch immer wir tun würden, wenn wir nicht die Aufgabe zu erfüllen hätten. Kurz gesagt: Womit wir prokrastinieren würden, damit sollten wir uns belohnen. Prokrastination als Belohnung. Klingt komisch, ist vielleicht auch komisch, aber es funktioniert.

Und last but not least…

Tipp #3: Holt. Euch. Hilfe.

Wenn die Aufgabe zuletzt aber doch unüberwindbar scheint und man aus eigener Kraft nicht daran vorbeikommt, muss eine zweite Meinung her, ein frischer Wind, jemand, der uns auf den Hinterkopf haut, um das Denkvermögen anzuregen. Es ist keine Schande, sich einzugestehen, dass man alleine nicht weiterkommt, dass man Hilfe benötigt. Schlimmer ist es, wenn wir uns selbst in eine Ecke drängen, weil kein anderer Weg mehr in Sicht ist. Das kann eine andere Person vielleicht ändern.
Lasst euch von euren Mitmenschen motivieren und anspornen, holt euch Ideen und Inspiration aus ihren Erfahrungen. Jeder wird euch etwas anderes zu erzählen haben, jeder schlägt etwas anderes vor.  Auch ist die richtige Lektüre eine gute Hilfestellung. Hat jemand vor euch schon einmal eine ähnliche Aufgabe bewältigen müssen? Die Ausmaße des WWW dürfen nicht unterschätzt werden. Googelt, was das Zeug hält, stellt Fragen, kotzt euch aus – es gibt immer jemanden, der sich eurer annimmt oder wenigstens versucht, zu helfen, und euch vielleicht einen Kreativitätsboost verpasst.
Saugt das alles auf und nutzt es zu eurem Vorteil. Steckt so viel wie nur möglich in die Aufgabe und ihr werdet zum Schluss nicht von euch selbst enttäuscht sein. Denn letztendlich sind wir unsere schlimmsten Kritiker und wir wollen diesen nervigen Moralaposteln doch keinen Grund zu meckern geben, oder? 😉

In diesem Sinne wünsche ich euch gutes Gelingen bei was auch immer ihr bewältigen müsst und hoffe, dass ich – wenn ich schon nicht geholfen habe – euch wenigstens ein Lächeln aufs Gesicht zaubern konnte oder den einen oder anderen zum Nachdenken gebracht habe.
Quält euch nicht länger selbst und nutzt das, was euch am besten gegen die Aufschieberitis hilft, bis es irgendwann zur Normalität wird. Dann habt ihr gewonnen. 🙂

Eure nogusvelo

P.S. Dieser ganze Eintrag ist eine reine gewaltige Masse an Prokrastination, produziert im besten Hause. Dann starte ich mal bei Tipp #1…