Alliteration

Die Alliteration ist vermutlich das bekannteste Stilmittel, das einen so bewusst über den Weg läuft. Das Stilmittel beschreibt eine Reihung von Wörtern, die mit dem selben Anlaut beginnen. Dabei ist zu beachten, dass es um den Anlaut, nicht den Buchstaben, geht.

Daher bilden Schaf und Sonne keine Alliteration.
Sehr wohl aber Schaf und Stein ( zugegeben keine sehr schöne und auch nicht für starke Dialektsprecher des Norddeutschen )

Die Wörter müssen auch nicht unmittelbar hintereinander stehen. Zum Beispiel : „ Da wallen und wogen die Wipfel des Waldes“ ( Wilhelm Jordan)

Heutzutage wirken Alliterationen auf uns wohl eher lustig. Das ist natürlich für einen Autoren eine perfekte Gelegenheit, um lustige Szenen noch lustiger zu gestalten.

Man kann sie auch ernsthaft einsetzen, das ist dann aber vom Kontext abhängig und lässt sich gut mit einem Asyndeton verbinden. Dazu vielleicht zwei Beispiele aus eigener Feder.

„ Er boxte und biss sich durch die Prüfung.“
„ Sie schlugen, schlitzen, schnitten sich durch Reihen ihrer Feinde.“

Man sieht, dass die Alliteration die Verben stärker betont, einen Fokus auf sie legt.

Ich hoffe, dass ich euch ein paar Anregungen geben konnte und stehe natürlich für Rückfragen zur Verfügung.

– Cheshirepunk –

Lajos Egri und der dreidimensionale Charakter

Stell dir vor, du öffnest ein Buch und liest von einem der Charaktere. Du staunst, weil du glaubst, du könntest diesen Charakter anfassen. Tja, bevor du das auch schaffst, musst du deinen Charakter dreidimensional wirken lassen? Wie? Das will ich dir mal erklären!

Egri wählte drei Dimensionen. Die physiologische, soziologische und die psychologische. Wenn man all diese Dimensionen ausgefüllt hat, darf man mit einem „Tschakka!“ auf den Lippen loslegen zu schreiben. Aber lasst uns ganz langsam anfangen.

Dimension eins, die physiologische, beinhaltet den Grundaufbau deines Charakters. Größe, Geschlecht, Gewicht, Rasse, Alter und Gesundheitszustand gehören dazu. Das sind eher Dinge, die man nicht wirklich sieht und die man auf einem Lebenslauf antrifft. Doch auch Hautfarbe, Körperbau, Körperhaltung, Allergien, Stimmlage, Mundgeruch, Neigung zu Schweißausbrüchen, nervöse Ticks und Gesten machen deinen Charakter aus. Auch Narben, Verunstaltungen und Abnormitäten dürfen nicht vergessen werden.

In der zweiten Dimension geht es um den soziologischen Aspekt. Aus welcher Sozialen Schicht kommt der Charakter und aus welchem Milieu ist er? Was für Schulen hat er besucht, welche politischen Ansichten hat er angenommen? Welcher Religionsgemeinschaft gehört er an? Und, was vielleicht viele wissen, die Erziehung hat ein Wörtchen mitzusprechen. Was hielten die Eltern deines Charakters von Dingen wie Sex, Geld und Karriere? War die Erziehung streng, locker oder irgendwas dazwischen? Hatte dein Charakter genügend Freiheit oder wurde ihm alles dirigiert? Und – war/ist dein Charakter ein Mauerblümchen oder hat er verlernt seine Freunde mitzuzählen?

Die dritte und letzte Dimension ist die psychologische und ein Ergebnis aus der soziologischen und der physiologischen Dimension. Hat der Charakter Phobien, Manien, Komplexe, Ängste, Hemmungen, Schuldgefühle, Sehnsüchte oder Fantasien? Wie läuft‘s mit seiner Intelligenz, hat er irgendeine besondere Begabung, eine großartige oder seltene Fähigkeit? Wie schlüssig sind seine Argumentationen? Was sind seine Gewohnheiten, seine Erregbarkeiten? Wo ist er empfindlich und was sind seine Talente?

Fertig, deinen Stereotypen zu einem „Boah Ey!“ zumachen? Na, dann war das hier vielleicht eine gute Hilfe. Mehr Tipps dieser Art findet man in dem Buch „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ von James N. Frey.
Gastbeitrag von
Mordgeflüster in der Sesamstraße

Theorieecke: Der Mythos vom Schrecken des langen Satzes

Immer wieder hört man, dass selbsternannte Schreibexperten vor dem grauenhaften, bitterbösen, furchterregenden „langen“ Satz warnen. Sie begründen das meistens damit, dass es für den Leser angenehmer sei… Das mag vielleicht stimmen, aber assoziiert bei mir eher den Eindruck ein Kinderbuch zu lesen. Meine Leser dürfen gerne mitdenken und ich vertraue ihnen auch, dass sie einen komplexen Satz verstehen können. Ich will auch nicht sagen, dass man nur hypotaktische Sätze verwenden soll, aber die Mischung macht es, da sich mit langen Sätze schöne Figuren bauen und Effekte erzielen lassen.

Wenn man von hypotaktischen Satzgefügen spricht, kommt man natürlich nicht um das Thema Konjunktionen herum. Es macht, auch wieder meiner Meinung nach, einen riesen Unterschied, ob ich schreibe „während sie die Straße entlangliefen“ oder „als sie die Straße entlangliefen“. Bei ersterem Denke ich an eine lange Zeitspanne, während als schon auf ein bestimmtes Ereignis hindeutet. Dementsprechend kann man den Satz weiter konstruieren, je nachdem ob man eher ein plötzliches, hektisches Gefühl oder Langeweile beim Leser vermitteln will. Man sollte dabei natürlich auch akkurat mit den entsprechenden Verben, Adjektiven und Adverbien arbeiten. Letztendlich macht es schon einen gewaltigen Unterschied, ob man überhaupt Konjunktionen zwischen den Satzgliedern verwendet oder man sie einfach nur durch Kommata abtrennt.

Am besten kann man wohl aber solche Theorien an Beispielen erklären und um zu zeigen, dass ich mir das nicht aus den Fingern sauge, habe ich mir bekannte Gewährsmänner gesucht. Der erste ist Kafka mit „ Der plötzliche Spaziergang“, eine Kurzgeschichte, die aus zwei Sätzen besteht.

Wenn man sich am Abend endgültig entschlossen zu haben scheint, zu Hause zu bleiben, den Hausrock angezogen hat, nach dem Nachtmahl beim beleuchteten Tische sitzt und jene Arbeit oder jenes Spiel vorgenommen hat, nach dessen Beendigung man gewohnheitsgemäß schlafen geht, wenn draußen ein unfreundliches Wetter ist, welches das Zuhausebleiben selbstverständlich macht, wenn man jetzt auch schon so lange bei Tisch stillgehalten hat, daß das Weggehen allgemeines Erstaunen hervorrufen müßte, wenn nun auch schon das Treppenhaus dunkel und das Haustor gesperrt ist, und wenn man nun trotz alledem in einem plötzlichen Unbehagen aufsteht, den Rock wechselt, sofort straßenmäßig angezogen erscheint, weggehen zu müssen erklärt, es nach kurzem Abschied auch tut, je nach der Schnelligkeit, mit der man die Wohnungstür zuschlägt, mehr oder weniger Ärger zu hinterlassen glaubt, wenn man sich auf der Gasse wiederfindet, mit Gliedern, die diese schon unerwartete Freiheit, die man ihnen verschafft hat, mit besonderer Beweglichkeit beantworten, wenn man durch diesen einen Entschluß alle Entschlußfähigkeit in sich gesammelt fühlt, wenn man mit größerer als der gewöhnlichen Bedeutung erkennt, daß man ja mehr Kraft als Bedürfnis hat, die schnellste Veränderung leicht zu bewirken und zu ertragen, und wenn man so die langen Gassen hinläuft, — dann ist man für diesen Abend gänzlich aus seiner Familie ausgetreten, die ins Wesenlose abschwenkt, während man selbst, ganz fest, schwarz vor Umrissenheit, hinten die Schenkel schlagend, sich zu seiner wahren Gestalt erhebt. Verstärkt wird alles noch, wenn man zu dieser späten Abendzeit einen Freund aufsucht, um nachzusehen, wie es ihm geht.

Letztendlich möchte ich noch zu einer sehr speziellen, ja ich möchte gar sagen beeindruckenden Form für einen langen Satz kommen: Die Ausdehnung/Ausreizung des Vorfeldes. Das Vorfeld kann in der Regel ein Satzglied aufnehmen. Ein Satzglied kann jedoch aus einem oder mehreren Teilsätzen bestehen. Was dann dabei herauskommt, kann man sehr schön in der deutschen Überstzung von Stephen Kings „Es“ sehen:

„ Und als dann die Sonne unterging, der Tag sich mit einer kalten gelborangefarbenen Linie am Horizont verabschiedete und die ersten Sterne wie Diamanten am Himmel funkelten, erreichte Ben den Kanal“
Zu beachten ist, dass bis einschließlich „funkelten“ alles Vorfeld noch ist, also ein Satzglied ( in dem Fall ein Temporalsatz) ist.

Noch schöner ist vielleicht noch dieses Beispiel aus derselben Quelle :

„ Aber als er schluchzend und atemlos die Ecke seiner Straße erreichte, mit rasend pochendem Herzen, das in seinen Ohren zu dröhnen schien, als er es endlich wagte, einen Blick über die Schulter zu werfen, war die Straße leer.“
Das Vorfeld reicht hier bis „werfen“. Und wenn ihr jetzt den Satz noch einmal lest und auf eure Atmung achtet, werdet ihr feststellen, dass ihr auch ein wenig atemlos seid.

Ich hoffe, dass ich vielleicht bei dem ein oder anderen ein wenig die Angst/Abscheu vor dem langen Satz nehmen konnte.

 

-Cheshirepunk-

Egressive vs. Ingressive Verben

Hallo und willkommen zu meiner ersten Theoriestunde. Schon in meiner Überschrift habe ich mit zwei Fachtermini um mich geworfen, die einiger Klärung bedürfen. Bevor ich aber in medias res gehe, will ich gleich sagen, dass die, eigentlich für Schriftsteller wichtigen, semantischen Anteile dieser Theorie recht umstritten sind. Dennoch glaube ich, dass diese Theorie recht interessant für euch sein kann.

Also was sind egressive und was ingressive Verben? Egressive Verben sind Handlungswörter, die den Endzeitpunkt von etwas bezeichnen. Beispiele hierfür sind Wörter wie „verblühen“, „aufessen“ oder „ermorden“.
Ingressive Verben sind ( na wer hätte es erwartet?) wiederum Handlungswörter, die den Beginn oder Startzeitpunkt von einer Handlung markieren. Beispiele für ingressive Verben sind „erblühen“, „verlieben“ oder „beginnen“.
Bis hierhin ist alles unstrittig, auch wenn wir im Deutschen das „Problem“ haben, dass ingressive und egressive Verben nicht durch bestimmte Prä- oder Suffixe, wie beispielsweise im Russischen oder Griechischen, gekennzeichnet werden. Viele Egressive werden mit „ver-“, und viele Ingressive mit „er-“, gebildet. Dass es dafür Ausnahmen gibt, habe ich oben schon gezeigt. Wie schwammig das Ganze im Deutschen daher ist, kann man an Verben wie „weggehen“ zeigen. Ob „weggehen“ das Ende einer Handlung zeigt (Ich gehe vom Bahnhof weg.) oder den Beginn einer Handlung/Szene ( Ich gehe vom Bahnhof weg, um zu dir zu kommen.) markiert, kann man im Deutschen nur am Kontext sehen. Es gibt in der deutschen Sprache natürlich noch andere Aktionstermini, die sind aber, meiner Meinung nach, für uns erst einmal nicht relevant.

Warum Egressive und Ingressive für uns relevant sind ( haha, geschickte Überleitung), zeige ich jetzt. Es gibt Sprachtheorien, die egressiven Verben einen eher negativen, und Ingressiven einen eher postiven Charakter zusprechen. So kann man beispielsweise auch in eine inhaltlich „schöne“ Szene, eine negative Grundstimmung, Bedrohung legen, indem man sie mit eggressiven Verben spickt. Das Selbe funktioniert natürlich auch andersrum.
Natürlich kommt es immer auf den Kontext an und manch einer von euch, übrigens auch viele Sprachwissenschaftler, lehnen es ab einem Verb an sich einen negativen oder positiven Charakter zu verleihen. Aber ich denke auch, dass man durch den gezielten Einsatz solcher Verben gute oder schlechte Grundstimmungen in einer Geschichte verstärken kann, oder schöne ironische und widersprüchliche Gefühle bei dem Leser auslösen kann.

Probiert es doch einmal in unserer Schreibübung aus: Gegensätzliche Gefühle

 

-Cheshirepunk-